Dienstag, 10. Oktober 2017

"Eleanor Oliphant" von Gail Honeyman | Rezension




Eleanor, Eleanor. Was soll ich sagen? 
Hm. Stellt euch vor, ihr lebt in Einsamkeit. 
Ihr kennt nichts anderes. Die Gesellschaft mit anderen meidet ihr eher. 
Und dann wendet sich das Blatt. 
An dieser Stelle stelle ich euch Eleonor Oliphant vor. 
Denn ihr ging es genau so...

Titel: "Ich, Eleanor Oliphant"
Autor: Gail Honeyman
Seiten: 527
Verlag: Lübbe



Charaktere

Eleanor ist Ende zwanzig und wohnt alleine. Wenn sie abends vom Büro kommt, wartet eines ihrer Bücher, ihre Pflanze und bestimmt ein Pestogericht auf sie. In ihrer Sozialwohnung, spartanisch eingerichtet. Tag für Tag. Außer es ist Mittwoch. An diesem Tag ruft nach Feierabend ihre Mutter an. Aus dem Gefängnis? Jedenfalls hört es sich so an. Irgendwann hat sie nämlich einmal etwas Schlimmes angestellt. Mommy. Und dann musste Eleanor von einer Pflegefamilie zur nächsten. Bis sie dann irgendwann in ihrer Wohnung landete. Jane Eyre und ein Froschsitzsack mit aufgemalter Fliege auf der Zunge. Freunde kann das auch nicht ersetzen.
Gut, dass sie eines Tages auf Raymond trifft. Er stolpert in ihr Leben und stellt es auf dem Kopf. Wer jetzt an eine klassische Liebesgeschichte denkt, sollte nicht den Musiker vergessen.
Genau. Den gibt es auch noch. Eines Tages trifft ihn Eleanor auf einem Konzert. Oder besser gesagt: sie sieht ihn dort. Trotzdem ist ihr in wenigen Minuten klar, dass das ihr Mann ist. Sie gehören einfach zusammen. Doch dazu müsste sie noch ein paar Änderungen vornehmen.
In diesem Buch durfte ich als Leserin sie dabei begleiten. Durch ihre verschrobene Art und ihre eigenwillige Meinung musste ich schon das ein oder andere Mal laut auflachen. Was mir bei Büchern eher selten passiert.

"Aber war es nicht der Gipfel der Respektlosigkeit, wenn man am Begräbnis eines Menschen teilnahm und die Lieder dann nur mitmurmelte (...)? Um dieses beschämende Manko wettzumachen, sang ich um so lauter (...). Einige Leute drehten sich nach uns um, als hätten auch sie Freude an unserem Gesangsbeitrag gehabt." 
(S. 314/315)

Raymond scheint sie auch so zu akzeptieren....



Gefühl

 Hach, ich hab so gelacht (wie bereits erwähnt)! Dann, als Eleanor im Laden war und... - werdet ihr schon merken. Aber auch an anderen Stellen. Oft dann, als sie mir einen Einblick in ihre Gedanken gegeben hat. Über die Gesellschaft, oder über Raymond. Wie sie von seinen Eigenarten genervt ist.
Vollkommen klar. Wenn man nur mit sich selbst gelebt hat, ist es schwer, sich an andere zu gewöhnen. Und ein Schuss hat ja jeder irgendwie. Eleanor vielleicht ein bisschen mehr als wir. Wieso, werdet ihr noch merken. Jedenfalls berührt der Grund sehr. Oh ja, ihre Hintergrundgeschichte ist wirklich aufwühlend. Es erklärt einiges.
Wie sie daran arbeitet und damit umgeht... - ach, ich finde das zum einen sehr mutig und dann natürlich sehr authentisch. Das ist die ganze Geschichte. Sie ist aber vor allem eines: etwas sehr besonderes.
Eleanor ist mir doch ein bisschen an's Herz gewachsen! Ah - wieso habe ich es nicht schon vorher gelesen?



Schreibstil

Es erklärt sich doch von selbst, dass ich diese Geschichte gefressen habe. Ein bisschen mehr als ein Tag und schwupps - war das Buch alle. Schon hatte ich die ganze Geschichte mitsamt der Druckerschwärze inhaliert. Wenn man meine monatelange Leseflaute und die über 500 Seiten bedenkt, sind nicht mehr Worte nötig, oder?
Ich hoffe, dass die Autorin noch mehr Bücher schreiben wird. Dann werde ich auf jeden Fall noch ein Plätzchen frei halten. Mir wäre ein Regalboden recht.



Fazit

Ich bin so froh, dass dieses Buch nicht dünn ist. So hatte ich viele schöne Stunden mit Eleanor verbringen dürfen. Ein wunderbares Romandebüt!
Diese Geschichte hat Lieblingsbuchpotential und bekommt von mir somit fünf Kleckse.









Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Danke, Kleckse! <3